醒来!Xǐng lái! Aufwachen! DER SPIEGEL 46/2017

DER SPIEGEL 46/2017

Titelbild

Chi­na

Der hellwache Riese

Nach 40 Jahren atemberaubenden Aufstiegs hat China die Schwelle zur politischen, wirtschaftlichen und technologischen Supermacht überschritten. Der Westen hat noch nicht begriffen, vor welcher Herausforderung er steht. Ein Weckruf.

Mit die­ser Welt­kar­te stimmt et­was nicht. Sie hängt im Blau­en Saal des Au­ßen­mi­nis­te­ri­ums in Pe­king, ma­jes­tä­tisch groß über ei­nem Po­di­um mit zwei ro­ten Fah­nen. Eu­ro­pa liegt auf die­ser Kar­te, ziem­lich zer­quetscht, am lin­ken obe­ren Rand, dar­un­ter Afri­ka, das deut­lich bes­ser zu er­ken­nen ist. Ame­ri­ka, in west­li­chen At­lan­ten stets auf der lin­ken Sei­te, liegt rechts au­ßen, tief im Os­ten. Im Zen­trum der Kar­te: die Lee­re des Pa­zi­fiks. Gleich da­ne­ben aber, wie ein mäch­ti­ger Bauch aus der eu­ra­si­schen Land­mas­se ra­gend: Chi­na, das Reich der Mit­te. Ganz Asi­en schaut an­ders auf die Welt als der Wes­ten, der es jahr­hun­der­te­lang do­mi­nier­te. Das war schon frü­her so, es ist nur vie­len Eu­ro­pä­ern und Ame­ri­ka­nern nicht auf­ge­fal­len. Je rei­cher und je selbst­be­wuss­ter aber Asi­ens Groß­macht Chi­na wird, des­to be­deu­ten­der wird Pe­kings Blick auf den Glo­bus.

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TIME Magazine: China hat gewonnen

 

  

Titelbild des TIME Magazines vom 13. November 2017

Die Zeitschrift beschäftigt sich mit der neuen Macht Chinas.

Zitat: „China, not the US, is the Global Economy´s single most powerful actor“

Links:

http://time.com/5006971/how-chinas-economy-is-poised-to-win-the-future/

Es gibt dazu auch eine Menge kommentierende Artikel, zB. hier:

https://www.democraticunderground.com/10029789032

http://thehill.com/homenews/media/358632-time-cover-ahead-of-trumps-asia-trip-china-won

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12th Taiwan Documentary Film Festival

The 12th edition of the Taiwan Documentary Film Festival will take place November 3 and 4, 2017. Unlike in previous years, we will present both documentaries (on Friday), and, in collaboration with King’s College, London, feature films from the “Taiwan’s Lost Cinema” project (on Saturday).

This year’s guest director is Wu Mi-sen 吳米森, who has directed films of a vast array of genres, reaching from documentary and feature films to experimental films, commercials and music videos. Our programme features (see below) features three fascinating documentaries and his latest feature film: Kara Orchestra (2015). Weiterlesen

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Lesevorschläge November 2017

Aus Vietnam:

Nguyen Ngoc Tu
Endlose Felder
Aus dem Vietnamesischen von Günter Giesenfeld und Marianne Ngo
Bibliothek der Entdeckungen, Bd. 11
Erzählungen

264 S., geb., 130 × 210 mm, mit Illustr.
ISBN 978-3-95462-807-0

Erschienen: April 2017

Emotionale Erzählungen von höchster literarischer Qualität

Die Geschichten von Nguyen Ngoc Tu spielen im Deltagebiet des Mekong zwischen Wasser und Land. Die Protagonisten sind Fischer, Entenzüchter, Erntehelfer, alte, schweigsame und skurrile Männer und unglückliche Frauen zwischen Familiensehnsucht und Prostitution. Und ihre Boote, die Sampans, Heimat für Männer und Frauen, die ums Überleben kämpfen, die diese aber für kein Geld der Welt verlassen würden. Den roten Faden bildet der Fluss, der Mekong – von dem alles Übel ausgeht, aber auch das seltene Glück.

Nguyen Ngoc Tu wurde 1976 in der Provinz Ca Mau geboren, dort lebt sie bis heute. Ihre Bücher erzielen in Vietnam sehr hohe Auflagen. Für ihr Werk erhielt sie bereits mehrere Preise, darunter den South-east Asian Writers Award (2008) und den Vietnam Writers’ Association Award (2006) für ihr bekanntestes Buch »Endlose Felder«.

Besprechung im Deutschlandfunk:

Das Buch wurde verfilmt

The Floating Lives (Canh dong bat tan) Full

– English Subtitle Nội dung bộ phim kể về câu

zur Zeit hier bei youtube:

www.youtube.com/watch?v=DpErbxbBHYo

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Winnie the Pooh , Sesame, Social Credit Score, Quayside

„Spiegel Online“ berichtet, wie sich zu China einer „Digitalen Gesellschaft“ entwickelt.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/digitalisierung-in-china-sei-eine-1-oder-du-bist-eine-0-a-1173854.html

„China digitalisiert sich rasend schnell, aber nach wie vor in mehrfacher Hinsicht abgeschottet. Ein Ergebnis dieser Strategie ist WeChat. Die App ist so etwas wie Facebook, WhatsApp und Paypal zusammen und vereint auch die Funktionalität all dieser Dienste. Mithilfe der Great Firewall und politischem Druck hat China das erreicht, wovon Europa heimlich träumt: Unabhängigkeit von den Big Five, den fünf Tech-Riesen von der amerikanischen Westküste. Die werden entweder ausgesperrt oder auf Linie gebracht.“

Wie die daraus enstehenden Daten verwendet werden, wird innerhalb der Führungszirkeln von Partei und Wirtschaft diskutiert.

„Sesame gilt als eines der Vorbilder für das, was Chinas Regierung für alle will. Einen Punktwert, der alle Bürger zu besseren Menschen machen soll, der erwünschtes Verhalten belohnt, der bestraft, wenn man seine Eltern nicht besucht, oder einfach zu lange untätig herumsitzt. Bislang aber bekam weder Alibaba noch Tencent noch eine von sechs anderen Firmen, die beim Bürgerbewerten mitmachen wollten, eine Lizenz der Regierung. Es scheint Streit darüber zu geben, wem die Daten am Ende gehören.“

Es droht eine umfassende Überwachung und Steuerung der Bevölkerung.

Allerdings gibt es auch im „Westen“ Projekte, die dem Bürger ein komfortables Leben ermöglichen sollen, ihn aber zugleich „gläsern“ machen.

Die „Google“ (bzw. „ALPHABET“) Tochterfirma „Sidewalk Labs“ möchte „vollautomatische“ Städte bauen.

Die Bewohner werden über unterirdische Tunnelsysteme mit den Dingen beliefert, die sie zuvor über das Internet bestellt haben. Verkehr und Transport sollen „autonom“ durch Roboterfahrzeuge erfolgen.

Ein erstes Test-Stadtquartier wird nun im kanadischen Toronto enstehen, das „Quayside Projekt“, meldet die „FAZ“:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kuenstliche-intelligenz/googles-mutterkonzern-baut-eine-intelligente-stadt-15252637.html

„Roboter soll es indessen nicht nur auf den Straßen geben, sondern auch unter der Erde. Nach Vorstellung von Sidewalk Labs könnte ein unterirdisches System von Müllrobotern den Abfall außer Sichtweite transportieren. Ein Netzwerk unterirdischer Roboter könnte auch eingesetzt werden, um Pakete an die Bewohner von Quayside auszuliefern. Auch der Einsatz von Drohnen wird erwogen. Ein solches Frachtsystem soll nach Darstellung von Sidewalk Labs dazu beitragen, dass die Straßen selbst stärker von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden können.“

„Was geschieht mit den Daten?

Unklar ist, was genau Sidewalk Labs mit einem auf dem Reißbrett entworfenen Stadtbezirk für ein Geschäftsmodell verfolgt. Alphabet verdient sein Geld vor allem mit dem Verkauf von Werbung, die sich aus der Auswertung von Daten ergibt. Das digital aufgerüstete Viertel in Toronto wird Sidewalk Labs eine Fülle von Daten liefern, und das wirft die Frage auf, was mit diesen Daten geschieht und inwiefern sie kommerziell verwertet werden könnten.“

Sidewalk Labs:

https://www.sidewalklabs.com/

Sidewalk Labs Toronto:

Dokumente dazu:

https://sidewalktoronto.ca/wp-content/uploads/2017/10/Waterfront-Toronto-RFP-No.-2017-13.pdf

https://sidewalktoronto.ca/wp-content/uploads/2017/10/Sidewalk-Toronto-Image-Gallery.zip

https://sidewalktoronto.ca/wp-content/uploads/2017/10/Sidewalk-Labs-Approach-to-Privacy.pdf

https://sidewalktoronto.ca/wp-content/uploads/2017/10/Sidewalk-Labs-Vision-Sections-of-RFP-Submission.pdf

https://sidewalktoronto.ca/wp-content/uploads/2017/10/Sidewalk-Toronto-Backgrounder.pdf

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China bricht alle Rekorde für Solarenergie, 50 GW für 2017 geplant

Übersetzt aus: https://electrek.co/2017/10/19/china-breaking-all-solar-power-records-aiming-for-50gw-in-2017/

Mehr Informationen bei der ASECA:

https://files.acrobat.com/a/preview/6ad52953-7daa-484d-987c-5cc477918c43

China ist langfristig führend bei Solarstromanlagen. ASECEA prognostiziert, dass in diesem Jahr 50 GW an Solarenergie in Reichweite sind. Im Juni und Juli 2017 installierte China 25 GW Solarstrom – und sie werden den Globus für das Jahr um 100 GW überschreiten.

Gestern sagte Präsident Xi Jinping: „Jeder Schaden, den wir der Natur zufügen, wird uns irgendwann wieder heimsuchen … das ist eine Realität, der wir uns stellen müssen“.

„China ist ein wichtiger Akteur, Beitragsträger und Fackelträger im globalen Streben nach ökologischer Zivilisation“, sagte Präsident Xi Jinping, „China muss ein neues Modell der Modernisierung entwickeln“ mit Menschen, die sich in Harmonie mit der Natur entwickeln. „

Der Bericht der Clean Europe (Solar) Advisory Asia Europe sagte, dass China bis Ende September 42 GW Solarenergie installiert habe. Im Allgemeinen ist der Oktober ein bisschen langsamer in einem Monat, gefolgt von einer starken November-Dezember-Periode.

Großes Wachstum trat im nicht-dezentralen Solarbereich auf. China hat durch ein neues Programm namens „Top Runner“ einen Punkt gefordert, um Sonnenkollektoren mit höherem Wirkungsgrad zu installieren und sie auch an viele kleinere Projekte zu verteilen. Weiterlesen

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Aktuelle chinesische Filme im Arsenal Kino (Guang Hua Movies)

Beschreibung:

Chinesischer Content auf der großen und der kleinen Leinwand ist in Deutschland Mangelware. Sind die kulturellen Unterschiede zu groß für ein westliches Publikum? Ist die Zielgruppe zu klein? In China sagt man mitnichten! Ab Oktober zeigen Arsenal Kinos auch chinesiche Filme und wir fangen sogar mit Double Feature an!

Guang Hua Movies – so heißt die Filmreihe, unter der regelmäßig chinesischer Content auf deutschen Kinoleinwänden zu sehen sein wird. Hinter der Marke steht das Ziel, kommerziellen chinesischen Filmen in Deutschland eine dauerhafte Plattform zu bieten. Die Guang Hua Movies laufen im chinesischen O-Ton mit deutschen oder deutsch-chinesischen Untertiteln – damit sprechen sie sowohl ein chinesisches als auch ein deutsches Filmpublikum an.

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Was ist eigentlich Traditionelle Chinesische Medizin?

Vortrag
Dr. Bärbel
Häusermann-­Barnekow
Tübingen
Fr. 13.10.2017, 20.00 Uhr
HIRSCH ­Begegnungsstätte
Tübingen, Hirschgasse 9
Großer Saal
Unkostenbeitrag 3 Euro Weiterlesen

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Lesevorschläge September 2017

 

Undiné Radzevičiūtė

Fische und Drachen
aus dem Litauischen übersetzt von Cornelius Hell

Lakonisch und absurd wie ein Zen-Dialog, faszinierend und bilderreich wie eine Zeitreise: der große Roman einer wahrhaft kosmopolitischen Autorin.

Drei Frauengenerationen teilen eine Altstadtwohnung mitten in Chinatown: Großmutter Amigorena, Mama Nora, Autorin erotischer Kriminalromane, sowie deren erwachsene Töchter Miki und Schascha. Täglich tragen sie auf engstem Raum mit rasantem Witz ihre absurden Wortgefechte aus. Auch Schascha schreibt, allerdings über den geheimnisvollen Jesuiten und Maler Giuseppe Castiglione, der 1715–1766 am Hof des Kaisers von China lebte, doch statt diesen zu missionieren, immer tiefer in die chinesische Kultur und ihre Rätsel eintauchte. Ein umwerfend komischer Roman über zwei Kulturen, die sich anziehen und bekämpfen, verehren und missverstehen, über eine Faszination, der Schascha genauso erliegt wie Jahrhunderte vor ihr der Jesuit Castiglione.

400 Seiten
Format 125×205 Hardcover
EUR 24,00

ISBN: 9783701716760
ISBN ebook: 9783701745449

Erschienen am 14. Februar 2017.

Undine Radzeviciute im Deutschlandfunk:

http://www.deutschlandfunk.de/schriftstellerin-undine-radzeviciute-politik-interessiert.700.de.html?dram:article_id=395402

Als Audio:

 

Cover: Die Kinogänger von Chongjin

Die Kinogänger von Chongjin

Eine nordkoreanische Liebesgeschichte
Droemer Knaur Verlag, München 2010
ISBN 9783426274385
Gebunden, 432 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Liebe in Zeiten der Diktatur: Vor dem Kino in Chongjin begegnen sich zwei junge Menschen. Bald schon entspinnt sich eine Beziehung zwischen ihnen, aber die gnadenlosen Lebensverhältnisse in Nordkorea lassen kaum Leidenschaft zu. Für das Volk hält das Regime nur härteste Entbehrungen bereit – und strikte Denkverbote. Der größte Wunsch: dem Schattenreich des „geliebten Führers“ Kim Jong Il zu entfliehen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.03.2010

Sehr eingenommen ist Rezensent Christan Y. Schmidt von diesem Buch über das Alltagsleben in Nordkorea von Barbara Demick. Die amerikanische Journalistin hat nach seinen Angaben dafür über Hundert Flüchtlinge befragt, vor allem ehemalige Bewohner der Hafenstadt Chongjin, die von der großen Hungersnot Mitte der 1990er Jahre besonders stark betroffen war. Er attestiert der Autorin, ergreifende Einzelschicksale gekonnt mit Hintergrundinformation zu verbinden. Die Schilderung des alltäglichen Leben der Menschen, des Entstehens großer privater Märkte, der Suche nach Essbaren, der Fluchtversuche scheint Schmidt schlicht brillant. Bisweilen hat er das Gefühl, „kein Sachbuch, sondern einen Roman zu lesen“. Zugleich betrachtet er Demicks dramatische Aufbereitung des Stoffs auch kritisch und weist auf eine kleine Abweichung von der Realität hin, um letztlich aber einzuräumen, dass man nicht zu pedantisch sein sollte. Wie auch immer: für ihn kommt momentan kein Buch auf dem deutschsprachigen Buchmarkt dem nordkoreanischen Alltagsleben näher als dieses.
Im Deutschlandfunk:

Der tägliche Kampf ums Überleben

Barbara Demick: „Die Kinogänger von Chongjin“. Droemer/Knaur

Die neuen Medien machen selbst vor Nordkorea nicht halt, und immer mehr Menschen fliehen aus dem Land, das in einer Art Steinzeitsozialismus verharrt. Die amerikanische Journalistin Barbara Demick hat als Korrespondentin der LA Times in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul mit Flüchtlingen aus Nordkorea Interviews geführt und tiefe Einblicke in das private Leben in Nordkorea sammeln können.

Von Silke Ballweg

Eine riesige nordkoreanische Fahne weht an der Grenze zu Südkorea. (AP)
Eine riesige nordkoreanische Fahne weht an der Grenze zu Südkorea. (AP)

Mit viel Hintergrundwissen angereichert schildert Demick zunächst die Gründung Nordkoreas nach dem 2. Weltkrieg. Aus der Perspektive ihrer Hauptfiguren erzählt sie, wie Staatsgründer Kim Il-Sung das Land ideologisch auf Linie bringt. Die meisten Nordkoreaner mussten damals nach der Arbeit Vorträge hören, öffentlich Selbstkritik üben, Leitartikel aus der Parteizeitung interpretieren und sich im Nachbarschaftskomitee organisieren. Der Einzelne, so die Idee von Kim Il-Sung, sollte sich ganz der Gemeinschaft unterwerfen, sollte in ihr aufgehen. Und diese Gemeinschaft wurde dann von Kim Il-Sung gelenkt, dem gottgleichen Führer, der um sich herum einen fast schon wahnwitzigen Personenkult etablierte.

In Frau Songs Heim hing, wie in allen anderen auch, ein gerahmtes Porträt von Kim Il-Sung an einer ansonsten kahlen Wand. Es war nicht erlaubt, etwas anderes an diese Wand zu hängen, nicht einmal Bilder von Blutsverwandten. Die Arbeiterpartei gab die Porträts kostenlos aus, zusammen mit einem weißen Tüchlein, das in einer unterhalb der Bilder deponierten Schachtel aufzubewahren war. Es durfte nur dazu verwendet werden, die Porträts zu säubern, was besonders in der Regenzeit im Sommer wichtig war, denn dann kroch der Schimmel an den Ecken unter den Glasrahmen und hinterließ hässliche Flecken. Etwa einmal im Monat erschienen unangemeldet Inspektoren der Ordnungspolizei, um zu überprüfen, ob die Porträts sauber waren.

Die von Kim Il-Sung entworfene sogenannte Juche-Ideologie beruhte unter anderem auf dem Gedanken absoluter Autarkie. Die Bevölkerung sollte vom Staat versorgt, jeglicher Handel – auch zum Ausland – sollte unterbunden werden. Aber über Jahrzehnte blieb diese Idee unerfüllt, Nordkorea hing stattdessen am Tropf der Bruderstaaten und war auf Nahrungsmittel, Energie, Medikamente oder Autos aus dem sozialistischen Ausland angewiesen. Der Zusammenbruch der Sowjetunion stürzte Nordkorea deswegen in eine ökonomische Krise. Kurz darauf brach in dem Land eine Hungerkatastrophe aus. Die Nahrungsmittelknappheit bestimmte jahrelang das Leben der Menschen in Nordkorea. Der tägliche Kampf ums Überleben nimmt in Demicks Buch großen Raum ein:

„Sie konnten an nichts anderes denken als daran, wo sie das nächste Essen organisieren konnten. Sie gingen abends mit dem Gedanken ins Bett, morgen nach dem Aufstehen muss ich gleich nachsehen, ob frisches Gras gewachsen ist, das ich abschneiden kann. Wenn nicht, dann kann ich vielleicht irgendwie raus aus der Stadt kommen, vielleicht finde ich dann ja einen Vogel oder ein Stück Rinde. Der gesamte Erfindungsreichtum der Menschen drehte sich nur darum, etwas zu essen zu besorgen.“

Für ein paar Lebensmittel verkauften die Menschen alles, was sie hatten. Sie aßen Insekten, Gras und Frösche. Wegen Unterernährung blieb bei den meisten Frauen irgendwann die Menstruation aus, viele Kinder bekamen Hungerbäuche. Bis zum Jahr 1998 sollen Schätzungen zufolge bis zu einer Million Menschen verhungert sein, jeden Morgen wurden die Toten auf Karren geladen und weggeschafft. Mit der Not wuchsen die Schwarzmärkte, denn immer mehr Nordkoreaner überquerten heimlich die Grenze nach China, um von dort Lebensmittel nach Nordkorea zu bringen:

„Zwei Flüsse markieren die Grenze, der Yalu und der Tumen. Der Tumen ist der Fluss im Norden und er ist an vielen Stellen sehr flach. An einigen Orten ist er nur fünf Meter breit und im Winter vollkommen zugefroren, man kann ihn also leicht überqueren. Es gibt zwar viele Grenzsoldaten aber keine Mauer oder so etwas, nur an manchen Stellen etwas Stacheldraht. Die Leute gehen meisten zwischen den Grenzsoldaten über den Fluss und vor allem auf der nordkoreanischen Seite ist es einfach, die Soldaten zu schmieren. Viele Menschen treiben sowohl legalen als auch illegalen Handel über die Grenze hinweg, viele kaufen Produkte in China und bringen sie wieder nach Nordkorea rein.“

In den vergangenen Jahren sind mehrere 10.000 Nordkoreaner über die Flüsse geflohen, Schätzungen zufolge leben heute rund 100.000 Flüchtlinge in China und tausende weitere in Südkorea. Doch das Land im Süden ist den meisten Nordkoreanern vollkommen fremd und viele schaffen es nicht, sich zu integrieren, sagt Demick:

„Dort sind sie umgeben von Abkürzungen, HDTV, MP3 oder MTV, und sie verstehen das alles nicht, sie kennen ja nicht einmal das westliche Alphabet. Nordkoreanische Studenten haben im Regelfall noch nie im Internet gesurft, sie haben wahrscheinlich noch nie einen Computer benutzt oder ein Telefon. Das heißt nicht, dass sie nicht gebildet sind, aber die Zeit in Nordkorea ist ungefähr in den 1960er-Jahren stehen geblieben. Auf dem Niveau befinden sie sich.“

Demicks Buch und ihre vielen Schilderungen – nicht nur über das Leben in Nordkorea, sondern auch über die abenteuerliche Flucht nach China und die beschwerliche Weiterreise nach Südkorea – bieten einen seltenen Einblick in das Schicksal von Menschen, die aus einem Land kommen, das so gänzlich aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Und es ist noch dazu vielschichtig: Die geschichtlichen Hintergründe erklären die Ideologie von Kim Il-Sung und machen verständlich, was die Herrscher des Landes antreibt. Die Autorin beschreibt aber auch ganz aktuell, wie immer mehr Informationen nach Nordkorea gelangen – und wie das den Führungsanspruch der Herrschenden zunehmend bedroht. Und so ist es eines der besten Bücher über Nordkorea, die derzeit auf dem Markt sind.

Barbara Demick: Die Kinogänger von Chongjin. Eine nordkoreanische Liebesgeschichte. Das Buch ist erschienen bei Droemer/Knaur, hat 432 Seiten und ist für 19 Euro 95 zu haben, ISBN: 978-3-426-27438-5.

Leseprobe als PDF:
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Chinafest Köln 2017

Publiziert am 2. August 2017 von Uli

Am 20. September 2017 startet das Kölner Chinafest

Feierliche Eröffnung

Das Chinafest wird am Samstag um 15:45 Uhr auf dem Neumarkt feierlich durch Oberbürgermeister Jürgen Roters und den chinesischen Generalkonsul Liang Jianquan eröffnet.

Bühnenprogramm auf dem Roncalliplatz

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