Liao Yiwu in Deutschland

Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu ist nach Deutschland geflohen, obwohl er im Oktober 2010 im Stuttgarter Literaturhaus noch erklärt hatte, dass er auf jeden Fall in China bleiben wolle. Doch die jüngsten Ereignisse haben ihn nun offenbar seiner letzten Hoffnungen beraubt. Bei seinem neuen Buch “Für ein Lied und hundert Lieder” habe er den Behörden zusagen müssen, es nicht im Ausland zu veröffentlichen. Zum Schein sei er darauf eingegangen. Das Buch wird nun am 21. Juli im Verlag S. Fischer erscheinen. Als unfassbare Beleidigung für einen Schriftsteller habe er die Auflage empfunden, sagte Liao Yiwu gestern. Er sei “nicht mehr bereit, sich in China wie eine Geisel halten zu lassen”, und “die Mächtigen, die heute mein Land regieren, haben ein sehr schmutziges, hässliches Herz”. Es sind Poetenworte wie diese, die China bloßstellen, viel stärker womöglich, als dies politische Appelle könnten. Ein Beleg dafür mag Liao Yiwus größter Erfolg sein, das Repotagenbuch “Fräulein Hallo und der Bauernkaiser”. Auch gegen dessen Veröffentlichung haben sich die Pekinger Behörden lange gesperrt – obwohl der Autor darin doch “bloß” die Lebenswirklichkeiten in China schildert. (Stuttgarter Zeitung, 9.7.2011)

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