Maßstab für Chinas Entwicklung

Es ist mit China wie mit allen großen Themen: je näher man sich damit befasst, desto größer werden sie und verweigern sich einfachen Antworten. Der rasante Aufstieg des bevölkerungsreichsten Landes der Erde hat jedenfalls die Koordinaten der Weltpolitik und Weltwirtschaft geradezu dramatisch verändert. Diese Veränderung wird aus westlicher und vor allem auch aus deutscher Sicht zu oft noch vorrangig in Kategorien von Kritik und Bedenken beschrieben. So entsteht schnell ein Bild von einem Land, das Tibet unterdrückt, die Menschenrechte nicht achtet und jetzt auch noch die Umwelt verschmutzt. Dabei ist der Hinweis auf das umweltbelastende chinesische Wachstum von einer Insel des Wohlstandes wie Europa oder Deutschland aus reichlich heuchlerisch.

Die Entwicklung Chinas folgt einem bekannten Muster der Bedürfnisse: Zuerst die lebensnotwendigen Dinge, erst danach kommen Ansprüche an Wohlstand und Wohlbefinden, wozu auch bessere Luft und saubere Flüsse gehören. Die Chinesen werden sich solchen Luxus schon noch gönnen. Alles ist relativ. Vor 50 Jahren erst sind fast 50 Millionen Chinesen verhungert. Das ist der einfachste , aber auch wichtigste Maßstab, den man an Chinas Entwicklung anlegen sollte. (Kommentar im Schwäb. Tagblatt, 4.1.2012)

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