Die Fahne der Partei soll ewig wehen

Die Stuttgarter Zeitung berichtet fast ganzseitig über ein Phänomen im Land des blühenden (Früh-) Kapitalismus: Chinas kommunistische Führung schwört ihre Gefolgschaft  mit “Roten Reisen” und einem politisch korrekten Geschichtsbild auf die Zukunft ein.

Dass die Kommunistische Partei jedes Jahr Millionen Kader auf Reisen schickt, um ihnen ein inszeniertes Bild der Vergangenheit zu vermitteln, ist eine Investition in die eigene Legitimität, eine  Art Markenpflege. Seitdem der Patriotismus den Sozialismus als Leitidee abgelöst hat, steht die Geschichte im Zentrum des chinesischen Selbstverständnisses – und nirgends ist die Partei leichter angreifbar als bei ihrer Historie. Kritiker bemühen sich deshalb, das offizielle Geschichtsbild zu erschüttern. Die Darstellungen könnten unterschiedlicher kaum sein. Im Internet und auf Schwarzmärkten kursieren Artikel und Filme, die den Chinesen eine andere Geschichte zeigen. Das hat die Partei zu einer landesweiten Kampagne gegen illegale Veröffentlichungen veranlasst. Nicht zuletzt deshalb erklärte das Politbüro bei einer Klausurtagung die “kulturelle Sicherheit” zur höchsten Priorität.

Ein zentrales Thema im Rahmen der Kader-Fortbildungen ist der berühmte Lange Marsch der Roten Armee, der im Oktober 1934 in der Provinz Jiangxi in Südchina begann und unter der Führung von Mao Tse-tung über 12500 km bis nach Yanan in der mittelchinesischen Provinz Shaanxi führte (Ankunft im Oktober 1935). Dieser äußerst verlustreiche Marsch wurde zum Gründungsmythos der Roten Armee. Heute ist der Ausgangsort Jinggangshan eine Wallfahrtsstätte. Der Revolutionstourismus ist sein wichtigster Wirtschaftsfaktor. Mehr als vier Millionen Chinesen besuchen jedes Jahr den 150.000- Einwohner-Ort. Hauptattraktionen sind Maos ehemaliges Wohnhaus und die Orte berühmter Schlachten. Abends stellen mehr als 600 Schauspieler die Revolution nach. (Stuttgarter Zeitung, 18.1.2012)

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