Die unharmonische Gesellschaft

Viele Chinesen stellen nach Jahren des wachsenden Wohlstands fest: Etwas fehlt. Die zu bescheidenem Wohlstand gekommene chinesische Mittelschicht sieht die Schattenseiten der schnellen Wirtschaftsentwicklung zunehmend kritischer. 6000 tote Schweine schwimmen auf dem Huangpu-Fluß durch Shanghai. Ständige Lebensmittelskandale, verheerende Umweltzerstörung, die Entstehung charakterloser Betonwüsten in den Städten, Kriminalität und Korruption erzeugen eine schleichende Verunsicherung. 41% der Chinesen sehen die unzureichende Lebensmittelsicherheit als das größte Problem des Landesd. Sogar 81% machen sich Sorgen um die wachsende Ungleichheit. Ohne Religion kennen die Menschen keine Grenzen, sagt Liu Guixia. Die konfuzianische Ethik hat sich von der Kulturrevolution (1966-1976) nie erholt. Damals wurden die meisten Tempel zerstört.

Das Christentum hingegen gewinnt rasant an Bedeutung. Nach offiziellen Daten hat allein die Zahl der Protstanten von 1997 bis 2007 um 60% auf 16 Millionen zugenommen. Ein amerikanischer Thinktank geht von mindestens neun Millionen Katholiken und 58 Millionen Protestanten aus. Mindestens 35 Millionen Protestanten gehören den schnell wachsenden Untergrundkirchen an. Die Menschen suchen nach Werten. Der christliche Glaube füllt diese Lücke offensichtlich am besten. Das Christentum ist für die Partei eine bedrohliche Konkurrenz. Aber sie braucht die Christen auch, weil sie das Land stabilisieren. (Wirtschaftswoche, 30.3.2013)

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